Historie

Angefangen hat alles im Gebäude nebenan, das als Tanzsaal genutzt wurde und damals wie heute der Familie Bellinghausen gehörte...
Tanzsaal Bellinghausen

1922

  • Ferdinand Bellinghausen und Familie beginnen mit dem Betrieb des ersten provisorischen Stummfilmkinos der Stadt Hennef im "Tanzsaal Bellinghausen". Das Gebäudes steht noch heute links neben dem heutigen Kur-Theater in der Königstrasse, die damals noch "Schlageterstraße" hieß
  • Die musikalische Begleitung erfolgte durch eine Geige und das Klavier, das heute noch im Foyer steht

1932

  • Umbau zum Tonfilm-Theater
  • Der erste gezeigte Tonfilm war "F.P.1 antwortet nicht", in dem Hans Albers Fliegerlied "Flieger, grüß mir die Sonne" zu hören war

1938

  • Weg vom Provisorium, hin zum Zweckbau
  • Fertigstellung des neuen Kino-Gebäudes - dem heutigen Kur-Theater - unter dem ursprünglichen Namen "Kurlichtspiele".
  • Das Wort "Kur" im Namen des Theaters steht im Bezug zur Stadt Hennef als Kur-Ort mit einem Kur-Park und einem Kur-Haus. Kuren hatten damals nicht nur die Bedeutung des Heilens von irgendwelchen Leiden und der damit einhergehenden Erholung, sondern auch die kulturelle Unterhaltung. Theater, Kino usw. waren Bestandteil einer Kur - was macht den Kur-Ort Hennef also attraktiver als ein neues Lichtspielhaus?
  • Eine zeitgenössische Beschreibung des Gebäudes:
    "Die Front besteht, bis auf den Bereich des Obergeschosses, aus Bruchstein, der Sockel (...) aus Basalt-Lava. Das Obergeschoss weist hellen Edelputz auf. An den Längsseiten befinden sich in Abständen der Wand vorgelagerte Pfeiler, die in Grauwacke ausgeführt sind. Die Wände selbst sind verschlemmt. Das Dach ist mit grauen Hohlfalzziegeln abgedeckt"
  • Der Balkon verfügte damals über 45 Sitzmöglichkeiten, das Parkett über 318 - also ingesamt 363 Sitzplätze. Heute sind es ingesamt noch 196 Sitze.
  • Die heutige Lage des Kino mag etwas verwundern wegen seiner Dezentralität. Damals fuhr jedoch noch die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die in unmittelbarer Nähe zum Kur-Theater am Bahnhof Geistingen hielt. Die Königstrasse war als Allee angelegt und war eine Hauptverbindungsachsen des damaligen Geistingen und Hennef Ort.

13.08.1938

  • Feierliche Eröffnung der "Kurlichtspiele" mit dem Film "Immer wenn ich glücklich bin" mit Theo Lingen und Hans Moser, anschließend Filmball
  • "In den Reigen der Städte und Orte, die ein hevorragendes Lichtspielhaus besitzen ist nunmehr auch unser Ort getreten. Am Samstagabend vollzog sich die feierliche Eröffnung der neuerbauten Kurlichtspiele. Ungeheuer groß war die Anzahl der Teilnehmer, die schon lange vor Beginn erschienen und dem Festakt beiwohnten.
    Als sich das Theater verdunkelte und die Bühne in prachtvollem Licht erglänzte, trug Ferdinand Bellinhausen einen eigens für das Lichtspielhaus verfaßten Begrüßungs-Prolog vor. (...) Möge das von der Familie Bellinghausen gewählte Motto 'Freude-Entspannung-Erholung' sich verwirklichen und dauernd bestehen bleiben. Nach dem schneidigen Marsch begann die Tonfilmvorführung. Der anschließende Filmball im Saale Bellinghausen hielt die Gäste noch viele Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen."

    aus: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef, Band 8

1939

  • Weil die Hennefer Bürger sich nicht an der Reichsprogromnacht beteiligen wollen, ordnen die Nationalsozialisten die Vorführung des Propaganda-Filmes "Juden ohne Maske" an, mit dem sie die Hennefer von der angeblich von den Juden ausgehenden Gefahr überzeugen wollen

1945

  • Nachdem das Kino gegen Ende des Krieges kurze Zeit geschlossen war, nehmen amerikanische Soldaten das Kur-Theater nach Kriegsende wieder in Betrieb. Den Strom für ihre Filmvorführungen erzeugen sie mit einem Generator selbst. Kurze Zeit später übernehmen englische Soldaten das Kino.

1949

  • Weil der Kino-Betrieb alleine sich nicht rentiert, sehen sich Bellinghausen nach anderen Verdienstmöglichkeiten um, um das Haus zu erhalten.
  • Der Umbau zum Opernhaus wird unter der Bauleitung von Richard Bellinghausen durchgeführt.
  • Das Kino wird um ein Drittel verlängert (ging also hinter der Leinwand noch weiter)
  • Aus den "Kur-Lichtspielen" wird das "Kur-Theater".
  • Das Opernhaus verfügt über 600 Plätze, eine drehbare Bühne und einen Orchester-Raum für 50 Musiker.
  • Zeitweise sind bis zu 200 Schauspieler, Bühnenarbeiter, Musiker etc. an einer einzigen Vorführung beteiligt.
  • Zur Eröffnung des Opernhauses wird "Die Zauberflöte" gespielt.
  • Kino- und Opern-Betrieb verlaufen in dieser Zeit parallel.

Danach...

1950er

Nach wenigen Jahren wird das Theaterspielen eingestellt, weil es zu aufwändig und finanziell nicht tragbar ist. Der Bau wird wieder verkürzt. Danach gab es verschiedene Aktionen, um ein paar zu nennen:
  • Faust-Zyklus und anschließende Besprechung durch Professoren der Uni-Bonn.
  • "Tag des guten Films"
  • "Vino und Kino"
  • "Filmnächte"
  • "Mitternachtspreviews"
  • "Fraulück's Filmfestspielchen"

2003

  • Am 18. Januar 2003 veröffentlichte der Bonner Generalanzeiger einen Artikel mit dem Titel "Bald bleibt die Leinwand für immer weiß". Ein Bericht über das Kur-Theater Hennef, dessen damaliger Betreiber, Herr Professor Richard Bellinghausen, sich aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückziehen wollte.
  • Der damalige Kämmerer der Stadt Hennef Lutz Urbach nahm Kontakt mit dem damaligen Studenten und Mitarbeiter der Kur-Theaters Daniel Huys auf. Gemeinsam mit dem Unternehmer Manfred Raderschad suchten sie nach Möglichkeiten, das Kur-Theater zu erhalten.
  • Im März 2003 wird der Verein "Kur-Theater Hennef e.V." gegründet. Er hat sich dem Erhalt des Denkmals und Weiterführung des Kulturbetriebs verschieben.

2013

Das Kur-Theater Hennef wird 75
Der Verein "Kur-Theater Hennef e.V." feiert 10jähriges Bestehen... und gleichzeitig "75 Jahre Kur-Theater"! Das galt es zu feiern...

In den sehr erfolgreichen zehn Jahren des Bestehens des Vereins gab es 125.000 Besucher des Kinos; im Bereich Theater, Kleinkunst, Kabarett, Kindertheater und Konzerte sind in der gleichen Zeit - nach der Vereinsgründung - rund 250 Veranstaltungen zu vermelden. Der besondere Dank und Anerkennung galt den acht Vorstandsmitgliedern und rund 25 Mitarbeitern. Hatte der Verein bei Gründung 60 Mitglieder und bei der Verantwortungsübernahme von Ingo Teusch vor fünf Jahren 600, so ist aktuell die Mitgliederzahl mit 1.131 festzuhalten.
Mehr Informationen zum Jubiläum gibt es hier...

Dies und das...

Das Kino diente immer wieder als Kulisse für Dreharbeiten - sei es das Musikvideo der Bläck Föös (Wenn et Leech usjing em Roxy, siehe unten), Aufnahmen für ein Kino-Magazin von RTL oder für Werbespots.
Nachfolgend einige bemerkenswerte Dokumente, die die bewegte Vergangenheit des Kur-Theater belegen... Vielen Dank an die Familie Bellinghausen!

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