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In den Gängen

Sonntag (24.06.) 17.30h,
Montag (25.06.) 20.15h,


Eine zarte Liebesgeschichte zwischen den Regalen eines Großmarkts – Sandra Hüller und Franz Rogowski sorgen für ein kleines Kinowunder

Zu den Klängen von „An der schönen blauen Donau“ gleiten Gabelstapler durch die Gänge eines Warenlagers. Der Walzer von Johann Strauss weckt Erinnerungen an Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Und der Ort, an dem „In den Gängen“ spielt, wirkt in manchen Einstellungen tatsächlich so einsam wie Kubricks Raumstation im Orbit.

Der Film von Thomas Stuber („Herbert“) entführt den Zuschauer in die ostdeutsche Provinz, in einen nächtlichen Großmarkt nahe der Autobahn. Bruno (Peter Kurth) ist für die Getränke zuständig, früher war er Fernfahrer, heute holt er mit seinem Gabelstapler Paletten voller Bierkisten aus Regalen, die bis zur Decke reichen. Jetzt soll er sich auch noch um den „Frischling“ kümmern. Christian (Franz Rogowski) ist neu im Großmarkt, Bruno wird ihm beibringen, wie man einen Stapler bedient, er wird ihm das „Meer“ (ein Hummerbassin) zeigen und ihn nach „Sibirien“ (die Tiefkühlabteilung) bringen. In den Gängen des Supermarkts trifft der wortkarge Christian auf Marion von den Süßwaren (Sandra Hüller). Dass er ein Auge auf sie geworfen hat, bleibt den Kollegen nicht verborgen. Und schon bald fiebert der ganze Markt mit.

„In den Gängen“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer („Als wir träumten“), der in seinen Storys das Lebensgefühl der Abgehängten und Zukurzgekommenen beschreibt. Unter der Regie von Thomas Stuber verwandelt sich die nüchterne Prosa der Vorlage in poetische Kinobilder von lakonischer Wahrhaftigkeit. Bei der Arbeit erleben die Angestellten des Großmarkts ein Gemeinschaftsgefühl, das mit dem Zusammenbruch der DDR verloren gegangen ist. Wenn Christian in der Silvesternacht zu Hause sitzt, dann wartet er eigentlich nur darauf, dass der Markt wieder aufmacht.

„In den Gängen“ erzählt von der Suche nach dem kleinen Glück: Wenn man die Gabel eines Staplers ganz behutsam absenkt, kann man tatsächlich das Rauschen der Wellen am Strand hören.

Ein wehmütiger Liebesfilm, der den Wendeverlierern ihre Würde zurückgibt.

Quelle: Cinema.de


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